Reisebericht

Uganda – Schimpansen – Baum-Löwen – Berg-Gorillas

Eigentlich hatte ich Mexiko-Guatemala geplant. Doch dann kam sie – die Einladung nach Afrika, nach Uganda, zu den Berg-Gorillas! Da konnte ich nicht „Nein“ sagen.

Reisetermin 2. Aprilwoche. Ja, das wollte ich schon lange, ich mache es!

April? Ich lese nach: Uganda hat 2 Regenzeiten, eine Kleine und eine Große. In ihr fallen über 40 % der Jahresniederschläge. Und die große Regenzeit ist im – April. Egal, ich will zu den Gorillas, auch wenn ich naß werde. Tagestemperaturen um diese Zeit bestenfalls 18°C, nachts einstellig. Also Pulli einpacken. Malariamücken? Die schlimmste Zeit ist im April, nach den Informationen lauern ganze Schwärme auf einen, sobald man im Freien nackte Haut zeigt. Also zum Arzt – Malariaprophylaxe, in die Apotheke und gleich 2 Dosen Mückenspray dazu. Ich will zu den Gorillas!

Nach einem langen Flug komme ich in Entebbe, dem Flughafen der Hauptstadt Kampala an: es regnet. Ich bin ja vorbereitet. Die Stadt liegt schon auf 1100 m ü.M.

Am Morgen regnet es zwar nicht mehr, aber die Wolken hängen tief und es ist nicht so kalt. Abfahrt in einem richtigen Geländewagen. Wir belegen 5 der 7 Sitze – jeder hat einen Fensterplatz. Unser Fahrer heißt Derik – „wie der Kommissar“, sagt er. Derik spricht hervorragend Deutsch und ist gleichzeitig unser Reiseleiter.

Auf einer gut ausgebauten Asphaltstraße geht es los. Der erste Teil ist sogar Autobahn. Sie ist zwar noch nicht eröffnet, aber viele Autofahrer nutzen sie schon.
Auf halber Strecke zu unserem Nachtquartier und direkt an der Straße, außerhalb jeder Ortschaft stoppt uns ein großer Markt. Völlig unorganisiert. Die Verkäufer lassen sich dort nieder – viele breiten ihre Angebote einfach auf dem Boden aus – wo gerade Platz ist. Im wilden Durcheinander scheint es alles zu geben: Obst, Elektronik, lebende Tiere bis zu Rindern, Textilien, Gemüse, Schuhe. Alles bunt, alles laut. Faszinierend. Die Frauen tragen z.T. ihre typisch-bunten Kleider. Wir sind die einzigen Touristen und baden förmlich in diesem afrikanischen Erlebnis!

Die Landschaft ist satt grün. Am Horizont erscheint die Silhouette eines hohen Gebirges. Die Fahrt ist optisch abwechslungsreich. Am Ende biegen wir von der Asphaltstraße auf eine Piste ab. Sie ist rotsandig. Hier beginnt für uns Afrika.

Lodge am Kratersee

Am späten Nachmittag erreichen wir unser Übernachtungsziel: eine Lodge, wunderbar an einem Steilhang über einem Kratersee gelegen. Bei einem Gin-Tonic und einem Bier genießen wir auf der Terrasse die späte Nachmittagssonne. Abendessen vom Buffet und noch etwas Ratschen mit der Gruppe. Dann ab in den Bungalow. Hier brennt nur schummriges Licht: die Lodge wird als ECU-Betrieb geführt, der Strom kommt von Solarzellen.

Undurchdringlicher Regenwald

Zeitig am nächsten Morgen beginnt unser Programm: noch vor dem Frühstück Abfahrt zum Schimpansen-Trekking. Es geht in den Regenwald. Wir werden von staatlichen (die Parks in Uganda sind vom Staat gut organisiert!) Führern (Rangern) erwartet. Nach einer Einweisung auf Englisch (hier spricht keiner mehr Deutsch) geht es los.

Von der Piste biegen wir auf einen Pfad, vom Pfad auf einen Trampelpfad und von dem in die Wildnis ab. Maximale Gruppengröße sind 6 Personen. Aber weil wir mit 2 Fahrzeugen zu je 5 Personen unterwegs sind, bilden wir – ausnahmsweise – eine „Doppelgruppe“. Ein Ranger geht voran, er weiß wo heute ungefähr die zu besuchende, wild lebende Schimpansengruppe sein könnte, eine Rangerin bildet den Abschluß, damit in dem undurchsichtigen Gestrüpp niemand verloren geht.

Und plötzlich hören wir sie, die Schimpansen. Bis wir sie entdecken können, dauert es noch etwas – wir müssen unsere Augen daran gewöhnen unter den dunklen Baumkronen gegen das durchblitzende Tageslicht zu sehen. Aber dann geht es im Walddach zu, wie in einem antiautoritären Kindergarten (ich meine jetzt die Affen!).

Viele machen das, wozu sie gerade Lust haben: sie fressen, sie toben durch die Kronen, sie jagen sich, sie spielen oder sie – und hier müssen wir auf der Erde auf-passen – benutzen den Ast, auf dem sie gerade sitzen, als „Plumpsklo“. Wer Pech hat, steht plötzlich im „Regen“ oder, schlimmer, wird von einer „Affen-Bombe“ getroffen. Plötzlich ein Schrei dort oben. Laut, fast klagend. Dann ein zweiter und dritter. Und dann schreit die ganze Horde. Es ist, als rausche ein Jet durch die Kronen. Dann plötzlich – Stille! Die Ranger erklären uns, daß die Gruppenmitglieder auf diese Weise klären, wer von ihnen momentan alles da ist. Affentelefon.

Keine Angst – er gähnt nur!

Wie nah wir den Tieren kommen? Diese Gruppe ist an den Besuch von Menschen gewöhnt. Sie weiß, ihr droht keine Gefahr. Also werden wir von ihnen toleriert. Wir dagegen dürfen nichts für die Affen mitnehmen, kein Futter oder keine sonstigen „Geschenke“. Streng verboten! Wie auch das Wegwerfen von irgendwelchem „Müll“, sei er auch noch so klein. Die Maxime ist, daß der Wald so verlassen wird, wie er betreten wurde. Wer Husten oder Schnupfen hat kann vom Besuch ausgeschlossen werden. Der Schutz und das Wohl der Tiere gehen absolut vor.

Ach ja, ich habe einen Schimpansenmann auf dem Waldboden von ca. 1 m, auf einem Baumast von ca. 2 m fotografiert und einer lief wenige Zentimeter an mir vorbei, friedlich.

Dann geht es zurück zum Auto und zum Frühstück in der Lodge.

Ein Affe im Genick

Uganda ist reich an Natur. Das erleben wir auf unserer Weiterfahrt zum nächsten Quartier. Asphaltstraße – Piste. Regenwald – Kulturlandschaft. Größere Orte – Dörfer. Endlich kommen wir an. Es ist später Nachmittag.

Unsere Lodge liegt auf einem Panoramahügel zwischen Edward- und Georgesee. Beide verbunden durch den natürlichen Kazinga-Kanal. Unser Programm für den nächsten Tag liegt unter uns. Aber von der Terrasse mit Swimmingpool hat man einen guten Blick über den Kanal. Dort versammeln sich zur Tränke eine Herde Elefanten und später auch Büffel. Die dunklen Flecke im Wasser vor dem Ufer sind auch mit meinem Feldstecher nicht zu identifizieren. Sie werden sich später als Nilpferde entpuppen.

Straße im Regenwald

In der Frühe, es ist noch dunkel, starten wir zur Pirschfahrt. Die Landschaft hat sich hier geändert in Savanne. Unsere Ausbeute sind jede Menge uns fremder Vögel und Warzenschweine, eselsgroße Böcke (Antilopenart), Kaffernbüffel und Elefanten. Löwen nur per Feldstecher aus großer Entfernung. Mittags sind wir wieder in der Lodge, um nach einer Pause zu einem Bootsausflug auf dem Kanal zu starten. Er entwickelt sich zu einer aufregenden Pirschfahrt: unbeeindruckt von uns liegen Nilpferde faul im Wasser. Krokodile lauern auf Beute. Büffel nehmen ein Bad oder haben es sich am Ufer bequem gemacht. Elefanten kommen zur Tränke und jede Menge von Vögeln. Weißkopfadler sitzen in den Uferbäumen und Kingfischer umschwirren unser Boot wie bei uns zu Hause die Möwen. Teilweise sind wir 20 m oder näher an ihnen. Für mich war diese Bootsfahrt aufregender als die morgendliche Pirschfahrt. Ein krönender Tagesabschluß vor dem jetzt schon obligatorischen Sundowner bei Gin-Tonic oder einem gut trinkbaren „Nile-Bier“.

Für den Folgetag haben wir unser Programm geändert. Statt einer langen Fahrt zur Gorilla-Vorübernachtung machen wir einen Umweg: Kurz nach unserem Start stehen wir plötzlich nur gut 20 m entfernt vor einer Elefantenherde mit ca.60 Tieren, Kühen, riesigen Bullen und verspielten Kleinen. Sie ziehen friedlich an uns vorbei über die Piste und verschwinden auf der anderen Seite im Gestrüpp.

Baumsavanne im Elisabethpark

Weiter geht es durch faszinierende Berglandschaften mit Urwäldern und Ackerflächen; über Pisten, die in Wortsinn von Pavianfamilien besetzt sind, steuern wir die „Kigezi Wildlife Reserve“ an der Grenze zum Kongo an. In ihr soll es Baumlöwen geben, wie sonst nur noch in Tanzania. (Allerdings ohne Garantie, auch wirklich welche zu sehen).

Lange durchkurven wir die Savanne. Keine Löwen in Sicht. Ein großer Ficusbaum erregt die Aufmerksamkeit unserer Begleiter. Und da sind sie! Eine ganze Familie hat es sich auf dem Baum bequem gemacht. Von oben beobachten uns der Pascha der Familie, 3 Löwinnen und 1 verspieltes Junges. Was für ein Erlebnis! Nach den Elefanten noch ein Höhepunkt des Tages.

Baum-Löwen: Mutter und Sohn

Auch am nächsten Tag heißt es zeitig aus den Federn zu kommen. Wir übernachten in einer Edellodge auf über 1500 m, Außentemperatur nachts 9 °C und im Bett eine – Wärmflasche! Es ist noch dunkel bei der Abfahrt. Unterwegs begegnen wir Menschen auf dem Weg zur Arbeit auf den Feldern und Kindern in Schuluniformen auf dem Weg in die Schule. Buben wie Mädchen haben während der Schulzeit kurz geschorene Haare. Freudig winken sie uns Fremden zu.

Heute Morgen soll uns der absolute Höhepunkt unserer Reise erwarten: der Besuch bei einer Gorillafamilie. Wie die letzten Tage geht die Fahrt durch eine steile Berglandschaft – es sind ja BERG-Gorillas, zu denen wir fahren. Früh kommen wir an der Station der Ranger an. Wir sind jetzt auf ca. 2300 m. Wie bei den Schimpansen bekommen wir zuerst eine Einweisung auf Englisch. Sie ist wichtig, damit wir wissen, wie wir uns im Ernstfall verhalten sollen. 2 Ranger + 2 bewaffnete Begleiter kommen mit uns. Von der Station wurde uns eine große Gorillafamilie mit 19 Mitgliedern zugewiesen.

So steil kann das Gelände im Gorilla-Regenwald sein! Berggorillas!

Unsere Landrover bringen uns zu einem Punkt, von dem aus es nur noch zu Fuß weiter geht. Dort warten schon ein paar Dorfbewohner, um ihre Dienste als Träger preiswert anzubieten. (Im Nachhinein: sehr zu empfehlen). Das Gelände ist sehr, wirklich sehr steil. Es gibt keine Wege oder Pfade. Die brauchen die Gorillas nicht. Sie übernachten zwar nicht an den gleichen Stellen wie tags zuvor, ziehen aber nur relativ langsam weiter. Der Weg zu Ihnen ist sehr beschwerlich und kann lange dauern. Die Gruppengröße ist auf 8 Personen und 1 Stunde Aufenthalt begrenzt. Aber das Erlebnis, so nahe an die wild lebenden und doch friedlichen Tiere heran zu kommen (wir waren manchmal nur ca. 2 m entfernt), sie zu beobachten beim Essen (sie sind uns zu ähnlich um „Fressen“ zu sagen), beim Ausruhen, beim Zusammensein einer Familie und bei den Spielen der Jugendlichen, ist sicher nicht leicht zu vergessen. Es ist der Höhepunkt der Reise und jeden Cent der Besuchsgebühr wert!

Der Chef im Regenwald

 

Mit einem weiteren Übernachtungsstopp geht es voller unvergesslicher Eindrücke zurück nach Hause – zu den Affen, Büffeln und Löwen unseres Alltags.

Ach ja: naß geworden bin ich nicht – wenn es wirklich geregnet hat, saßen wir in den Autos; Mücken habe ich keine gesehen und tags hatten wir 20-23 °C. Glück gehabt!

Claus-D. Binder, April 2018

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