Reisebericht

Von Montenegro nach Albanien

Albanien??? Albanien…warum nicht nach Albanien. Vielen wird es so ergehen, denn für mich war Albanien ein weißer Fleck auf der Landkarte.
Meine Reise dorthin hat diesen Fleck mit sehr viel Farbe und wunderschönen Eindrücken gefüllt.
Aber von Anfang an. Von München fliegen wir über Wien nach Podgorica in Montenegro und weiter mit dem Bus nach Virpazar am Shkodersee oder Skutarisee.

Shkodersee

Unser drittes Verkehrsmittel ist ein Boot, mit welchem wir, immer die Albanischen Alpen im Blick, eine Rundfahrt auf montenegrinischer Seite unternehmen. Wind und auch ein kurzer Regenschauer vermögen nicht die ruhige, beschauliche Tour zwischen zahlreichen Inseln zu stören. Frisch gestärkt nach einem Imbiss mit ,wie kann es anders sein, montenegrinischem Rotwein, fahren wir an die Küste nach Bar, um in unserem Hotel einzuchecken. Leider gewittert es so heftig, dass wir keine Chance haben, uns näher mit der Umgebung des Hotels vertraut zu machen. Einzig und allein eine prunkvolle Kirche mit stahlblauen Kuppeln und vergoldeten Kreuzen gegenüber vom Hotel ist durch einen dicken Regenschleier auszumachen.

Kotor

Am nächsten Morgen, schönster Sonnenschein aber die Zeit drängt, wir haben eine Verabredung in Kotor, dem UNESCO Weltkulturerbe am längsten Fjord Südeuropas.

Der Besuch ist wie eine Zeitreise ins Mittelalter. Schon die Venezianer haben mit dem Bau der 4km langen Stadtmauer begonnen, welche sich den Berg hinauf zur Festung schlängelt. Nächste Station Budvar an der Küste. Zwischen dicken Steinmauern liegt die Geschichte von Jahrhunderten und nebenan entstehen die Hotels für das 21.Jahrhundert. Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach Albanien und erreichen gegen Abend die größte Stadt Nordalbaniens – Shkoder.

Wir fahren durch Shkoder und im Bus herrscht Schweigen – baufällige 50er-Jahre Häuser, teilweise Ruinen, dann eine Tankstelle und wir sind am Hotel angekommen. Doch wie groß ist die Überraschung als wir durch den Eingang kommen und geradewegs in einem wunderschönen Innenhof stehen. Man soll halt doch nicht nach den Äußerlichkeiten gehen, denn hier zählen wahrlich die inneren Werte. Ein wunderschön und liebevoll restauriertes albanisches Anwesen empfängt uns. Im großen Speisesaal, der wohl ehemals eine Scheune/Stall war, prasselt an der Stirnseite ein riesiger Kamin, auf welchem unser Abendessen gegrillt wird. Die dicken Tischplatten biegen sich unter der Last der aufgefahrenen Köstlichkeiten. Untermalt mit Musik und Gesang entwickelt sich der Abend zu einem regelrechten Gelage.

Shkoder ist ein lebendiges Beispiel für das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Religionen. Religiöse Feste werden gemeinsam gefeiert wie sie fallen. Die St. Stefans Kathedrale, bis 1991 eine Sporthalle, ist die größte und wichtigste römisch-katholische Wallfahrtskirche in welcher eine Büste von Johannes Paul II an dessen Besuch im April 1993 erinnert. Ein paar Schritte weiter stehen wir vor der Ebu-Bekr-Moschee. In der Fußgängerzone sind die Fassaden der Häuser wunderschön restauriert und bilden eine herrliche Kulisse zum flanieren. Jetzt aber Schluss mit Bummeln, wir rüsten uns zum Aufstieg auf die Rozafa-Festung. Belohnt werden wir mit einem herrlichen Rundblick über die Stadt und das umliegende Land. Wohlverdient ist das Mittagessen in Fishte, doch keiner hat damit gerechnet hier, mitten im Nirgendwo, ein so tolles Restaurant zu finden. Verwöhnt werden wir mit Produkten aus eigener Herstellung. Sooo… lecker dieses „Slow Food“ . Nach einem Stopp in einer Weinkellerei mit Weinprobe geht es weiter in die Skanderbeg-Berge nach Kruje. Für viele Albaner ist es die heilige Stadt, denn hier widerstand ihr Nationalheld Fürst Skanderbeg den Osmanen.Vom Balkon unseres Hotels aus mutet die Stadt mit der wieder aufgebauten Festung wie eine gigantische Filmkulisse an. Man hört förmlich die Schlachtrufe über die Ebene schallen.

Unsere Strecke nach Mazedonien ist gesäumt von „Atompilzen“, wie unser Guide Miguel die 2-Mann Beton-Bunker (aus den Jahren 1975/76) am Straßenrand nennt. Überall begegnen wir ihnen und im Grenzgebiet zu Mazedonien stehen mehrere auf einer gemähten Wiese, ein Bild wie aus „Krieg der Welten“ – sehr unheimlich.

Ohrid

Doch wenden wir uns wieder den schönen Dingen zu – Ohrid, die UNESCO-Welterbe-Stadt, gehört zweifelsfrei zu einer der schönsten Städte der Region.

Der Ohrid-See umgeben von üppig grün bewaldeten Hügeln und Bergen ist ein paradiesisches Fleckchen Erde. Dazu die malerische Küste von Ohrid bis zum Kloster Naum, welche wir teilweise vom Boot aus genießen durften. Zentrum des Klosters ist die Kapelle in welcher der Mönch Naum begraben liegt und deren wunderschöne alten Fresken aus seinem Leben erzählen. Zurück geht es nach Albanien in die „Stadt der tausend Fenster“ – Berat, in unser Hotel, es war ein langer Tag.

Auch in Berat steht, wie könnte es anders sein, eine Festung auf dem Programm. Diese ist, im Gegensatz zu den vorherigen, allerdings bewohnt. Wir schlendern durch die Gassen zum Aussichtsturm hoch über der Stadt. Der Blick über den Boulevard der Neustadt, über die Dächer des Christenviertels, über den Fluss und auf die Dächer des osmanischen Viertels ist atemberaubend schön.

Berat

In der Ferne wölben sich grüne Hügel auf deren Kämmen das Wort NEVER zu erkennen ist. Bis 1991 stand da ENVER (Diktator Enver Hoxha) zu lesen. Nach einem kurzen Bummel über die Promenade der Neustadt, immer mit Blick auf das osmanische Viertel „die tausend Fenster“, geht es weiter in die Hauptstadt Tirana.

Auch hier begegnen uns Fürst Skanderbeg und Mutter Teresa beide der Stolz der Albaner und somit Nationalhelden. Der Hauptplatz mit dem großen Reiterstandbild Skanderbegs ist umgeben von Nationalmuseum, Rathaus, Nationaltheater, Ministerien und der Nationalbank. Auf dem Mutter-Teresa-Platz fehlt allerding Ihre Statue, da diese mittlerweile Reisende am Flughafen von Tirana begrüßt.

Zum Mittagessen fahren wir ins Restaurant Marchesi, von Geschmacksvirtuose Gezim Musliaka, bekannt auch aus der Fernsehshow Masterchef. Sein Restaurant ist eine Oase des Wohlbefindens, mit viel Liebe zum Detail, was sich in jedem Winkel, an jedem Platz und auf jedem Teller wiederspiegelt. Bilder in opulenten Goldrahmen, alle selbst gemalt, schmücken die Wände. Das servierte Menü – zum Niederknien. Zum Abschluss eine mega köstliche Torte – vom Chef persönlich serviert- für unser Geburtstagskind.

Am Ende des Tages, sowie unserer Reise, geht es nach Durres an die albanische Adriaküste. Den letzten Abend verbringen wir in einem neuen Badehotel und beschließen ihn mit einem (Fuß-)Bad im Meer. Bevor es am nächsten Tag zum Flughafen geht, besichtigen wir noch die Stadt Dyrrachium (Durres), deren strategisch günstige Lage schon die antiken Eroberer schätzten. Noch heute zeugen das Amphietheater und die Trajan-Bäder von einem reichen römischen Erbe.

„Mire u pafshim“ – Auf Wiedersehen Albanien ich komme bestimmt wieder!

Juliane Knewitz, Mai 2018

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